Pilgern und Pilgerwege in Österreich

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Pilgern als Lebensweg

Das häufigste hebräische Wort für „Weg“ (därach) kommt im Alten Testament über 700 mal vor.

Gemeint ist aber nicht das Ding „Weg“, der kartografierbare, sichtbare, objektive Weg, sondern das auf dem Weg Sein von Menschen, ihr in Bewegung Sein auf ein Ziel hin, gemeinsam mit anderen Menschen und mit Gott.
Der Weg ist also ein Symbol für das Unterwegssein des Menschen.


Der Weg ist ein Ursymbol des Lebens.

 

(1) Wir sind unterwegs zu uns selbst, zueinander und zu unserem Lebenssinn – zu Gott. Das Wort Sinn bedeutet ursprünglich ‚gehen’, ‚reisen’. (2) Erfahrungen machen, etwas erleben.

Das Leben ist eine lange Pilgerreise zu sich selbst. Identitätsfindung ist ein lebenslanger Prozess, ein Weg mit verschiedenen Stationen, eine Aufgabe.
• auf diesem Weg begegnen wir Gott (besonders an den Kreuzungen)
   - Spuren im Sand
   - Erfahrungen. Wege gehen muss jeder selber (selbst aktiv auf eigenen Füßen gehen)
   - wir sind leibliche, sinnliche Wesen; alle Erfahrung und Erkenntnis ist durch die Sinne vermittelt
• wir gehen miteinander (gemeinsames Motto, Erkennungszeichen Stab / Muschel)

Buber: am Du wird der Mensch zum Ich
am anderen, in der Begleitern, Begleitung Gottes erfahren
A. de Saint-Exupéry: „Wir sind Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zuwandern“


Volk Gottes unterwegs


Wie schon für Israel ist für Jesus Gott der Anfang und der Zielpunkt der Lebensreise. Auf der Wanderschaft geboren, verkündet er wandernd das Evangelium und beruft seine Jünger, die mit ihm wandern. Besonders das Lukasevangelium hebt den Wegcharakter des Lebens Jesu hervor.

Der Weg Jesu ist ein Weg der Begegnung mit Menschen. Jesus ist auf dem Weg bei Menschen zu Gast; er isst und trinkt mit ihnen, rastet, heilt, befreit und lehrt.

Er geht, erfüllt vom Geist, seinen Lebensweg im unerschütterlichen Vertrauen zu Gott, seinem Vater – auch in der Begegnung mit Leid, Zweifel und Tod. In Jerusalem, dem Wallfahrtsort Israels, stirbt er am Kreuz und wird hineingenommen in de Lebensfülle Gottes in der Auferweckung. Sein Weg mit uns ist nicht zu Ende.

Lk erzählt die österliche Weggeschichte von der Begegnung des Auferstandenen mit den Emmausjüngern. Unterwegs, im Gehen mit Jesus verändert sich für sie alles: Aus Zweifel, Depression und Selbstmitleid erwächst Vertrauen und Zuversicht; aus Isolation wächst gemeinschaftliche Hoffnung und Freude.

Von der Ostererfahrung her wird Jesus selbst zum Weg und zum Ziel. In dem Offenba-rungswort „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6) liegt die Betonung auf dem Weg. Die Wahrheit und da Leben ergeben sich aus dem Gehen des Weges. Sie beschreiben, wie der Weg, der Jesus ist, sein kann.

Sein Lebensweg kann Modell von Identitätsfindung, von gelingendem, erlöstem Leben sein. Nachfolge ist der „Feuerkern“ des Christentums, wie Martin Buber sagt. Darum werden die Christen auch nicht als Anhänger einer Lehre, sondern als die Menschen des neuen Weges bezeichnet (vgl. Apg 9, 2).

Bibel: Weggeschichten erzählen
Modell zum Einsteigen, deuten
wir erzählen einander unsere Wegerfahrungen

Im Alten Testament ist die Erfahrung der Menschen mit Gott entscheidend für das Symbol Weg; es steckt voller Weggeschichten. Modell gelungenen Lebens und Glau-bens zum Einsteigen, zur Identifikation.

Im Vertrauen auf Gott wagt Abram den Aufbruch aus seiner Heimat, weg von seiner Verwandtschaft. Er wandert in ein neues Land, das Gott ihm zeigt und wird in diesem Prozess zu einem neuen Menschen. Weg und Wandlung: neuer Name Abram wird Abraham, der Vater vieler Völker. Seine Wegerfahrung befähigt ihn zu fruchtbarer Vaterschaft im Glauben für viele (Gen 12).

Den Nomaden der Vätererzählungen in Genesis ist Gott ein Gott des Weges und des Schutzes (El Schaddaj). Er will bei den Menschen sein und zieht im Zeltheiligtum mit – repräsentiert durch Weihesteine, Symbole à Andenken an Erfahrungen mit diesem Gott – so auch Bundeslade.

Gott zeigt sich dem Mose im brennenden Dornbusch auf dem Weg durch die Wüste und befestigt ihn so, das Volk aus der Knechtschaft in Ägypten herauszuführen. Hier beginnt der Heilsweg Gottes mit seinem Volk, der Weg der Versuchungen, Zeichen der Nähe, Befreiung und Erlösung, der zu Gemeinschaft mit Gott und Harmonie miteinander – Gottes Herrschaft – führt.
Modell für Gotteserfahrung schlechthin à M. Luther King


Sakrament

Wir berühren den geheimnisvoll verborgenen Gott in seiner Schöpfung im Umgang mit Erde, Wasser, Luft und Licht.
Das Sakrament ist also eine Art der Kommunikation zwischen Gott und Mensch.
„Sakrament ist alles, sofern es von Gott her und in seinem Licht gesehen wird“, d. h., der Mensch muss sich auf diese Herausforderung Gottes (pro-vocar) einlassen. Das Gehen des Weges ist reich an solchen Herausforderungen.


Pilgernalssakramentale Handlung in der Natur

Der Jakobsweg ist ein Weg in der Natur – Natur verstanden als Sakrament Gottes.

Sakrament:
Das aus dem Lateinischen stammende Wort Sakrament hat den Wortstamm ‚sacr’, was die Sphäre des Heiligen, Religiösen benennt.

Es ist die lat. Übersetzung der gr. bibl. mysterion. Die Wurzel ‚my’ meint das Schließen der Augen oder des Mundes: Reaktionen auf eine Erfahrung, die sich dem diskursiven Denken entzieht und mit Worten nicht formulierbar ist. Dabei wird das ‚Geheimnis’ dem Mysten durch Erfahrung zuteil; so steht das Wort ‚Geheimnis’ für „eine Wirklichkeit und ein Teilhaben an dieser Wirklichkeit, welche die Sprache und den rationalen Diskurs übersteigen“.

„Auch heute noch lebt hinter jeder speziellen Sakramententheologie das Wissen um die Sakramentalität der Welt“, das seine Wurzel in der antiken und mittelalter-lichen Überzeugung hat, dass die Dinge eine innere Verweiskraft auf eine sie transzendierende Wirklichkeit besitzen. Sakrament ist nach ältester kirchlicher Tradition alles, was heilig ist, weil es die Spur des hl. Gottes in sich trägt und in Kontakt mit ihm bringen kann. „Gott ist nicht als ein gesondertes Objekt „hinter“ oder „neben“ den Dingen zu erfahren, sondern nur i n der konkreten (ird.) Wirklichkeit selbst als deren letztes, sie ist eigentlich konstituierendes Wovonher und Woraufhin.“ Denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“ (Weish. 13, 5). Gott, der Unsichtbare, teilt sich uns nicht direkt mit, sondern immer in Ver-bindung mit der Welt, dem Sichtbaren (Immanenz), dem ‚Sakrament Gottes’. Die-ses wird transparent für Gott, das Transzendente, weil sie auf Gott hinweist (e-vocar), der in ihr zugegen ist und durch die er sich offenbart, d. h., in der er sichtbar und greifbar wird. „Gott lässt sich in (…) (allem Geschaffenen) fin-den“ (Mose in der Felsspalte). „Christlicher Glaube geht also von einer Immanenz des transzendenten Gottes in seiner Schöpfung aus“ à Unsere Sinne / Wahrnehmung ist der wichtigste Ort der Gotteserfahrung (A. Grün).

Nach Gerken ist ein Sakrament nicht bloßes Zeichen in dem Sinn, dass man eine Ähnlichkeit feststellt oder eine Beziehung herstellt, sondern Symbol in dem Sinn, dass „die höhere Wirklichkeit sich selbst in der niederen ausdrückt, in ihr gegenwärtig ist und durch sie wirkt (Selbstoffenbarung und Selbstgabe), nichts in unserem Verstand zu finden sei, was nicht zuerst durch die Sinne Eingang fand. Alle Begriffe sind im Be-greifen verwurzelt. (Natur begreifen).

‚Wahrnehmung’ der Natur mit allen Sinnen und ‚Besinnung’ hängt zusammen
• Erfahrung der Lebendigkeit – alles ist belebt (Mikrokosmos)
- Zusammenhang und Vernetztheit – auch ich bin ein Teil davon, verbunden mit allem

‚Erleben’ bedeutet zusammenfassend: sich bereichern lassen – nicht dadurch, dass ich etwas in Besitz nehme, dass ich etwas methodisch oder technisch beherrsche, dass ich es also meinen Gesetzen unterwerfe, sondern dadurch, dass ich mich selbst davon ergreifen lasse und dadurch beschenkt werde (Freude am Leben)
• Dankbarkeit (Sonnaufgang, Lichten des Nebels, erkennt in den Gaben den Geber, sucht ein Du, um Danke zu sagen.

Wer dankbar ist, der ist sich bewusst, dass er nicht selbst der Ursprung seines Daseins ist. Er erkennt an, dass das, was er zum Leben braucht, nicht in seiner Verfügungsgewalt steht, sondern ihm geschenkt werden muss.

Solos nach einer Singleerfahrung (sparsam einsacken), z. B. als Abend-, Nachtwanderung mit Kerze, Umschlag mit Papier und Stift – Aufgabe: Suche Dir einen besonderen Platz für Brief an sich selbst Kreis bilden, Gesicht nach außen sternförmig verlassen

• Ankunft
gestalten Lichterpfad, gedeckter Picknicktisch

 


Solo: Seinen eigenen Platz in derNatur suchen

Es ist schwierig, gleichzeitig im Dialog mit anderen Menschen und mit der Natur zu sein: Ein Dialog ist ein Zwiegespräch, in dem zwei Wesen für-einander da sind und miteinander kommunizieren. Es ist leichter, der Natur intensiv zu lauschen, ihre Ausdrucksweisen und ihre Sprache wahrzu-nehmen, wenn man allein an einem schönen Platz ist, der einem gefällt.

Ein Solo mit einer Gruppe muss vorbereitet werden. Es braucht eine ruhige, konzentrierte Stimmung, in der die Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit der Teilnehmer/-innen erhöht ist. Diese kann erreicht werden durch:
   - Naturwahrnehmungsbeispiele und Übungen
   - Naturmeditationen und Phantasiereisen
   - eine gemeinsame künstlerische Aufgabe
   - einen Spaziergang zu einer besonderen Tageszeit, zum Beispiel
zum Sonnenaufgang.

Erfahrungen gehen im Unterschied zum bloß Gehörten und Erlernten viel tiefer: nicht gewusste und theoretisch übernommene Glaubenssätze, sondern Erfahrungen prägen die Lebensdeutung und Lebenspraxis
Bibel – Sammlung erzählter Glaubenserfahrung
Pilgern soll erlebnisreich sein, Erfahrung ermöglichen.
 


Metaphorische Erfahrung (nach Stephen Bacon)

Der Mensch verknüpft Erfahrungen und bestätigt entweder sein Bild von Wirklichkeit durch neue Erfahrungen oder revidiert es.

Die metaphorische Funktion (Metapher = ‚Übertragung’) besteht darin, eine Erfahrung von einem Lebensbereich in einen anderen zu über-tragen.

Auf dem Weg gemachte Erfahrungen - Vertrauen, das nicht enttäuscht wird, Durchhalten angesichts von Schwierigkeiten, sich getragen fühlen durch andere und durch eine innere Kraft, Erfolg haben, sich einlassen auf den Augenblick – können in den Alltag übernommen werden.

Die Erfahrung des Getragenwerdens auf dem Weg gibt Kraft, auch im Alltag darauf zu vertrauen. – Ein Beispiel: Jemand, der im Alltag immer viele Dinge beginnt, diese aber nicht zu Ende führen kann, wird auch auf dem Weg nach den ersten Tagen an eine Grenze kommen, von der er anfänglich glauben wird, sie nicht überwinden zu können. Er wird stark über gesundheit-liche Probleme klagen oder schlechte Stimmung verbreiten. Gibt er dann aber nicht auf, sondern geht – etwa angespornt durch die anderen Pilger – weiter, wird er vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben die beglückende Erfahrung ma-chen, an einem gesteckten Ziel angekommen zu sein. Dieses Erlebnis kann nun in seinen Alltag hineinwirken, was sich darin äußert, dass er dort versuchen wird, Angefangenes auch wirklich bis zum Ende durchzuziehen.

Viele der auf dem Pilgerweg gemachten Erfahrungen können als Metapher für Lebenssituationen gelesen werden. Der Pilgerweg ist wie ein mikroskopisches Modell des Alltagslebens. Der Mikrokosmos ist einfacher, auf das Wesentliche reduziert, aber er enthält die wichtigsten Elemente des Lebensweges. Lebensprobleme und -fragen kommen an die Oberfläche, z.B. Umgehen mit physischen und psychischen Grenzen oder mit Konflikten (in der Gruppe), einfachen Lebensbedingungen. Es kommt darauf an, hier lösungsorientiert durch Ermutigung, gegenseitige Unterstützung und positive Erfahrungen zu ermöglichen, die dann auf korrespondierende Alltags-situationen zurückwirken können.


Archetypen der heiligen Reise (Mythos der Heldenreise) zum Heiligen Ort in Mythen und Märchen

Der ‚Heilige Ort’ ist immer schwer zu erreichen. Derjenige, der zu ihm auf dem Weg ist, muss zuerst einen Drachen bekämpfen oder eine gefährliche Brü-cke überschreiten. Er findet fremdartige Pflanzen und Tiere. Natur-gesetze wie Schwerkraft oder Zeit werden durchbrochen. Der Ort birgt etwas Geheimnisvolles in sich. Er hat Anteil an einer transzendenten Ebene des Seins. Aber der Mensch kann dort nicht bleiben. Wenn er wieder in die reale Welt zurückkehrt, hat er dort etwas Wichtiges zu erledigen. Der Suchende kehrt verändert wieder nach Hause zurück.

Es besteht eine Parallelität zwischen dem Archetyp der hl. Reise und dem Pilgern in der Natur. Der Weg fällt oft schwer, ich komme an meine Grenzen, entscheide mich zum Durchhalten. Das Zu-Fuß-Unterwegssein in der Natur ist eine radikal andere Welt als mein Arbeits- und Familienalltag in unserer modernen Welt, und gerade darin liegt die Chance zum Neubeginn und zur Wandlung. Weg als Mikrokosmos des Lebens hat verschiedene Aspekte und Situationen, die zugleich Tagesimpulse ergeben können.


Pilgern heißt Aufbrechen –

sich der Herausforderung ungewohnten Gehens, körperlicher Bewegung, einer neu-en Umgebung – der Natur, Verzicht auf Komfort und Stille, stellen; etwas verlassen und sich für Neues öffnen.

Ungewöhnliche Situationen sind Chance zur Wandlung (Lernsit.) – Weg und Wandlung haben die gleiche Wortwurzel.

In vielen Religionen führt der Weg zur Selbstfindung und spirituellen Erfahrung über den freiwilligen Verzicht, die Askese = Übung, pos. meint loslassen üben à sich lösen vom Alltag, Belastendem, Fixierungen und offen werden für neue Lösungen – von ‚lösen’ für eine Wandlung – hilft auch im Alltag, Situationen, Stress, Fixierungen loszulassen; erfahren, dass ich nicht gelebt werde, sondern selbst freiwillig mein Leben gestalte.

Was möchte ich zurücklassen?
(Papierflieger, Stein werfen, niederlegen am Cruz de Ferro, Schiffchen, aus dem Ruck-sack packen)

Was möchte ich mitnehmen?
Welche Frage, welches Lebensthema?
eigenes Symbol dazu suchen / Was begleitet mich?
Stab / Muschel …
Biblisches Aufbruchgeschehen, z. B. Abraham
in neue Lasten loslassen: Mk 10, 46-52 Bartimäus

„Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus dem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich Dir zeigen werde.“ (Gen 12, 1)

Die Komfortzone verlassen (pos. Askese), Verzicht auf Bequemlichkeit und Konsum eröffnet neue Erfahrung: das Einfache wertschätzen und zu danken.
trockene Kleider, warmes Getränk, frisches Wasser, ein gutes Wort, eine Rast- und Ruhepause.


Der Weg führt uns zum Ziel

Der Prozess des Gehens und die dabei gemachten Erfahrungen sind in sich kostbar:
Das Gehen selbst – körperliche und seelische Bewegung hängen zusammen.

Einerseits drückt der Leib unsere seelische Verfassung aus; Körperhaltung und Körpersprache zeigen, wie es um uns steht, z. B. Rücken lässt uns spüren, welche seelischen Lasten wir tragen; ein gutes Wort richtet uns auf.

Andererseits wirkt sich körperliche Bewegung positiv auf den ganzen Men-schen aus: Das Wohlbefinden steigt, körperliche Bewegung verbessert die psychische Grundstimmung, da Endorphine (‚Glückshormone’) ausgeschüttet werden und Stress abgebaut wird, was dazu führt, dass man insgesamt ausgeglichener wird.

„Gehen ist die beste Medizin“ – meint schon Hippokrates (460 – 375 v. Chr.). Durch längeres Gehen wie auf dem Jakobsweg, d. h. ständiges körperlich ‚in Bewegung Sein’ kommt auch die Seele in Bewegung.

Pilgern heißt A u s z e i t –
Aussteigen aus der Alltagszeit
Verlangsamen, Entdeckung der Langsamkeit (Roman), bewusster wahrnehmen, Landschaft mit den Füßen studieren

Der Körper braucht Zeit, um sich auf das Gehen mit Gepäck einzustellen, sich zu überwinden, Anstrengung zu akzeptieren, den eigenen Rhythmus des Gehens zu finden à wird Gehen in seiner Gleichförmigkeit unterstützt vom regelmäßig bewussten Atmen
zur Meditation.
• das Zeitgefühl verändert sich, Zeit rast nicht, es wird auch nicht langweilig,
gelingt, ganz im Augenblick zu sein, Zeit zu haben und auszukosten.

Kontemplatives Gehen auf einer Wallfahrt kann – indem man sich ganz auf das Gehen einlässt – zur Ruhe führen, die den Menschen zu seiner Mitte, d.h. zu seiner Wahrheit, seinem Kern und darin zu Gott führt. Das Gehen trägt dazu bei, innerlich zur Ruhe zu kommen, sich zu sammeln und bewusst auf Gott zuzugehen, der uns entgegenkommt. Im Schintoismus z. B. müssen die Gläubigen in Nikko erst einen Weg von mehre-ren Kilometern gehen, bevor sie in den heiligen Hain eintreten dürfen, der sie zum Tempel führt. Und auch der früher aktuelle ‚Kirchgang’, d. h. der Gang zum Gottesdienst, hat den Sinn gehabt, dass die Menschen bewusst aus ihrem oft hektischen Alltag aufgebrochen sind und sich durch das Gehen innerlich auf ‚die Begegnung mit Gott’ vorbereitet haben.


Rasten / Ruhe (bewusst genießen und danken)

Ruhe ist aber nicht machbar – das wäre ein Widerspruch in sich selbst. Die Schöpfungsruhe, wie sie etwa die Bibel es am siebten Tage vorsieht, ist eine Ruhe der Dankbarkeit. Das Schöne, die Schönheit der Schöpfung, die man jetzt ge-nießen darf, ist einem gegeben. Anders als in anderen Lebenserfahrungen und -bereichen müssen wir sie uns nicht verdienen, nicht dafür bezahlen. Letztlich dankbar sein kann ich nur gegenüber jemand, der mir absichtslos um meiner selbst willen Gutes gewährt. Dankbarkeit ist auch nur aus ganzem Herzen möglich, nicht nach ausge-handelten Leistungstarifen. In die Haltung der Dankbarkeit finde ich nur hinein, wenn ich ahne, dass ich mich ganz und gar verdanke; wenn ich mich auf das große ‚Ja’ ver-lassen kann, das unabhängig von allem, was geschieht, zu mir gesprochen ist. Letztlich ausspannen und zur Ruhe finden kann ich nur, wenn mich die Einsicht prägt, dass ich mich Gott verdanke.

Wir spüren sozusagen das ‚Ja’ Gottes zu seiner Schöpfung neu auf. Wir voll-ziehen nach, was er am siebten Tag als Sabbataufgabe wahrnahm: die Schöp-fung mit Wohlgefallen zu betrachten und das Gute und Schöne in ihr zu erkennen.

© Projekt „Pilgern in Österreich“ - Arbeitskreis Tourismuspastoral Österreichs